Töte mich: Der dunkle Dreiklang

Töte mich: Der dunkle Dreiklang

Töte mich: Der dunkle Dreiklang

Valeska Réon

Karla Bernhardt ist eine hochbezahlte Auftragskillerin, eine der besten in der Branche. Ihre Spezialität: wie ein Chamäleon schafft sie es in immer andere Rollen zu schlüpfen und ihre Morde aussehen zu lassen wie einen Unfall, einen Selbstmord, zumeist sogar wie einen natürlichen Tod. Die Sache hat nur einen Haken: bei ihren Aufträgen lebt sie sich so gut in die von ihr erfundene neue Identität ein, dass sie danach jedes Mal Schwierigkeiten hat, in ihr normales Leben zurückzufinden. Und das hat bislang wenig Erfreuliches für sie bereitgehalten: die Mutter bei ihrer Geburt gestorben, vom Vater als »Muttermörderin« verstoßen und in die Obhut der Großmutter gegeben sowie von den Männern grundsätzlich enttäuscht, sind diese Ausflüge in andere »Daseinsformen« eine willkommene Abwechslung für sie. Dies jedoch mit fatalen Folgen: In ihrem mörderischen Job eine begehrte Frau mit einem aufregenden Sexleben, in dem sie die gesamte Klaviatur der Verführungskünste auslebt, privat jedoch eher unscheinbar und von den Männern übersehen, bewegt sie sich immer knapp am Rande einer multiplen Persönlichkeitsstörung vorbei. Denn immer lauter fordern die von Karla erfundenen Alter Egos ihre Daseinsberechtigung auf ihr eigenes Leben ein. Oder haben sie das schon in weitaus größerem Umfang getan, als es Karla bewusst ist? Doch dann passiert das Unvorhergesehene: sie verstößt gegen einen ihrer Grundsätze und verliebt sich in Tom, den Schwager eines ihrer Mordziele – und wird selber zum Opfer einer perfiden Intrige. Und damit nimmt das Unheil seinen Lauf. Oder bedeutet es letztendlich vielleicht sogar den Ausweg aus all ihren Problemen?

Rasant, spannend und trotz des ernsten Themas mit einem Augenzwinkern lässt die Autorin uns an den Abenteuern einer ungewöhnlichen Frau teilhaben, die dem Leser direkt ans Herz wachsen wird. Und es ist wieder einmal ein ganzes Füllhorn an wundersamen Überraschungen, das Valeska Réon hier ausschüttet. Folgen Sie der vom Leben gebeutelten Protagonistin Karlchen auf dem Weg durch raffiniert geplante Morde und das Dasein in mehreren Existenzen, einem Komplott voll gemeiner Hinterhalte und einer Amour fou, die es in sich hat.

 

Die Autorin:

Valeska Réon wurde 1962 geboren und wuchs bei ihrer Tante in Düsseldorf auf. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Friseurin und Visagistin. Aus dem Salon heraus als Model „entdeckt“, war sie mehrere Jahre international unterwegs. Es folgte eine Ausbildung zur Industriekauffrau, mehr durch Zufall kam sie zum Schreiben. Immer auf der Suche nach neuen Ufern schrieb sie zunächst drei Schönheits-/Gesundheitsratgeber, unter Pseudonym veröffentlicht beim Ullstein- und Weltbild-Verlag. Es folgte ein Regionalkrimi, der in London und Dortmund spielt, publiziert 2013 im Südwestbuch Verlag unter dem Titel „Das falsche Spiegelbild“. Danach erschienen: „Undercover Dogs“, ein Ausflug in die Welt ihrer vierbeinigen Freunde, „Haarscharf mit Außenwelle“, bei dem sie ihre Erfahrungen als Friseurin einbringen konnte, sowie 2016 dann ein neuer Krimi: „Töte mich – Der dunkle Dreiklang“ erzählt die Geschichte der Auftragskillern Karla Bernhardt, die neben ihrem Job einige alles andere als alltägliche Probleme plagen.

 

Das Cover

Das Cover ist sehr passend gewählt. Der schwarze Hintergrund deutet auf den dunklen Dreiklang hin. Die drei unterschiedlichen Damen symbolisieren die im Klappentext beschriebenen wechselnden Identitäten der Auftragskillerin. Ein Bucheinband, der aussagekräftig ist und zugleich neugierig macht.

Unsere Meinung

Gleich zu Beginn geht es richtig zur Sache. Ganz offen darf der Leser die Killerin bei ihrer Arbeit begleiten und auch im Detail wie in einer Anleitung erfahren, warum sie etwas wie wann und weshalb tut, damit sich der Erfolg – der Tod – einstellt. Sie erklärt ihr Geschäftsmodell bis ins Kleinste, was nur mit einer intensiven und präzisen Recherche so auf den Punkt zu bringen ist. Damit aber nicht genug, denn die Autorin lässt uns auch an Karlas Gedanken teilhaben, ja ganz tief in ihre Seele blicken.

Ich habe mich über mich selbst erschrocken, weil ich diese Figur leiden mochte, sie sogar extrem sympathisch fand. Diese positiven Gefühle ihr gegenüber wurden im Laufe des Buches noch verstärkt, nämlich immer dann, wenn ich entweder in Rückblicken in ihre Kindheit und das Zusammenleben mit ihrer Großmutter hineinblicken durfte oder auch das Zusammenleben mit ihrem boshaften Vater mitfühlen musste. Das ging sogar so weit, dass ich merkwürdigerweise Verständnis für diese Berufswahl aufbrachte.

Im Verlaufe des Buches kamen ein paar Stellen, an denen ich dachte, dass es jetzt ein bisschen zu einfach war mit einer Kontaktaufnahme oder einem anderen Zufall, der zu einer Wendung führte oder als Erklärung diente. Auch fragte ich mich öfters, ob dies oder das wirklich vorstellbar ist, weil plötzlich die Richtung wechselte. Das alles erklärte sich aber später mit dem Fortschreiten der Geschichte.

Diese Abwechslung zwischen den beruflichen Schauplätzen, dem Hineinschlüpfen in verschiedene Rollen, die auch noch ein wechselndes und aufregendes Sexleben zulassen, während sie als Karla (Karlchen) dazu nicht in der Lage ist, nahm mich völlig gefangen.

Eines Tages begeht Karla den Fehler, dass sie sich in den Schwager eines Mordzieles verliebt und selbst zum Opfer einer Intrige wird. Da wünschte ich mir, dass ihre Mitarbeiterin Agnetha Reiser und später die jüdische Psychotherapeutin Susannah Rosenbaum helfen würden, die Verwirrungen und Probleme zu lösen. Ob sie es tun?

Die Schauplätze (z. B. Dortmund) sind ausführlich dargestellt und machen es dem Leser leicht, sich durch die Straßen und Orte zu bewegen, als wäre man dabei. Die Figuren sind sehr eindrücklich und glaubhaft beschrieben. Die Geschichte erzählt sich aber in der Hauptsache aus der Perspektive von Karla Bernhardt als Karlchen und ihren Identitäten, aus denen sie zunehmend kaum mehr herausfindet. Daneben gibt es mit ihrer Großmutter und ihrem Schulfreund Alex zwei weitere Figuren, die eine große Rolle in ihrem Leben spielen.

Der Schreibstil ist gekonnt leicht und lässt einen schnell in die Geschehnisse eintauchen.

Im letzten Drittel überschlagen sich die Ereignisse, und die Geschichte nimmt eine völlig andere Wendung. Eigentlich wird man gedanklich immer wieder auf eine falsche Fährte geschickt. Und als ich zu Ende gelesen hatte und über die Rezension nachdachte, musste ich feststellen, dass die Erzählung ganz anders verlaufen war, als ich über mehr als 200 Seiten gedacht hatte.

Krimifreunden, die nicht gerade die übliche Mördersuche erwarten, sondern eine tiefergehende Geschichte mit Täter und Opfer erleben möchten und auch das Psychodrama, die Werteanschauungen von Gut und Böse in der Welt mögen, sei der Roman von Valeska Réon wärmstens empfohlen.

Gute Unterhaltung wünscht

friedericke von „friederickes Bücherblog“

 

 

 

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